Führerscheinentzug wegen „Auto-Posing“ – MPU auch ohne acht Punkte möglich
VG Koblenz, Beschluss vom 07.10.2026 – 4 L 948/26.KOWer wiederholt durch unnötig lautes Beschleunigen, übermäßigen Motorenlärm und andere Verkehrsverstöße auffällt, riskiert nicht nur Bußgelder, sondern auch seinen Führerschein.
Das Verwaltungsgericht Koblenz hat entschieden, dass sogenanntes „Auto-Posing“ unter bestimmten Voraussetzungen eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) rechtfertigen kann – auch ohne Erreichen von acht Punkten in Flensburg.
Wiederholte Verkehrsverstöße begründen Eignungszweifel
Im entschiedenen Fall war ein Autofahrer mehrfach durch Geschwindigkeitsüberschreitungen und unnötige Lärmbelästigungen aufgefallen. Besonders schwer wog, dass er trotz polizeilicher Belehrungen wiederholt stark beschleunigte und erheblichen Motorenlärm verursachte. Die Fahrerlaubnisbehörde forderte daraufhin ein MPU-Gutachten an. Da der Betroffene dieses nicht fristgerecht vorlegte, wurde ihm die Fahrerlaubnis entzogen. Sein Antrag auf vorläufigen Rechtsschutz blieb erfolglos.
MPU auch vor Erreichen der Punkteschwelle?
Grundsätzlich sieht § 4 StVG ein abgestuftes Fahreignungs-Bewertungssystem vor. Eine MPU kann jedoch nach § 11 Abs. 3 Satz 1 Nr. 4 FeV bereits vorher angeordnet werden, wenn erhebliche oder wiederholte Verkehrsverstöße besondere Zweifel an der Fahreignung begründen. Das Gericht sah in der wiederholten Missachtung von Verkehrsregeln und der fehlenden Einsicht des Fahrers Anhaltspunkte für charakterliche Eignungsmängel.
Wichtig:
Nicht jedes laute Beschleunigen rechtfertigt eine MPU. Die Fahrerlaubnisbehörde muss konkret begründen, weshalb der Einzelfall ein vorzeitiges Einschreiten erforderlich macht.
Was bedeutet das für Betroffene?
Wird ein rechtmäßig angefordertes MPU-Gutachten trotz entsprechender Belehrung nicht vorgelegt, darf die Fahrerlaubnisbehörde nach § 11 Abs. 8 FeV auf die fehlende Fahreignung schließen. Dies kann zur Entziehung der Fahrerlaubnis führen.
Fazit:
Wiederholtes „Auto-Posing“ kann erhebliche Konsequenzen haben. Ob eine MPU- Anordnung oder ein Führerscheinentzug rechtmäßig ist, hängt jedoch stets von den konkreten Umständen ab. Betroffene sollten eine entsprechende behördliche Anordnung frühzeitig anwaltlich prüfen lassen.
Zurück Kontakt Alle Beiträge